Holländer Windmühle
                  Die Geschichte

errichtet
1889

Schon von weitem sichtbar war das Flügelkreuz der Erdholländer-Windmühle in Stove am Boiensdorfer Werder. 
Die über hundertjährige “alte Dame” der Windmüllerei ist ein leider zur Zeit nicht mehr voll funktionstüchtiges technisches Denkmal, bei der man wirkliche Ingenieurkunst, Handwerk und Tradition hautnah erleben konnte.

Wie alles so kam....

Die erste Windmühle in Stove war eine bereits im 18. Jahrhundert erwähnte Bockwindmühle, die der Landesherrschaft gehörte und von dieser verpachtet wurde. Die Mühle war Zwangsmühle für die Ortschaften Stove, Boyensdorf, Güstow, Niendorf, Bantow und Pepelow. 1818 wurde die Mühle auf Erbzins versteigert an den meistbieten Müller Magerfleisch aus Hornstorf für die Summe von 4.820 Talern und einen jährlichen Canon von 8415/32 Scheffel Roggen.


1884 übernahm der Müller Johannes Tiedemann die Bockmühle, die jedoch schon recht veraltet war.

So ließ er 1889 durch die sehr bekannte Mühlenbaufirma O. M. Hofwolt aus Rostock neben der Bockmühle die heutige Erdholländermühle errichten. Zwei Tage nach Fertigstellung der neuen Mühle wurde die Bockmühle abgebaut und am Vielbecker See bei Grevesmühlen für den Müller Wiechmann wieder aufgebaut. Dort ist sie am 3. Oktober 1907 abgebrannt.

Die noch erhaltene Bauzeichnung der Holländermühle zeigt eine zeitgemäße Innenausstattung mit gusseisernem Getriebe, Mahlgang, Schrotgang, 2 Rundsichtern, Quetschstuhl, Getreidereinigung, Elevatoren und Fahrstuhl. Zum Mühlenbetrieb gehörte bald auch eine Bäckerei. 1923 wurde ein Elektromotor als Hilfsantrieb bei Windmangel eingebaut.
In den 1920èr Jahren war der Betrieb jedoch verschuldet und wechselte danach mehrfach die Besitzer, bis 1932 der Müllermeister Heinrich Hallier Eigentümer wurde. Er ließ die Mühle 1936 herausragend modernisieren. Sie erhielt ein stählernes Flügelkreuz und die Inneneinrichtung bestand nun aus einem Walzenstuhl des Fabrikat MIAG / Braunschweig , einer Ausmahlmaschine der Firma AHI / Itzehoe, Schrotgang, einem Plansichter, Mehlmischmaschine, Getreidereinigung mit Aspirateur, Trieur, Schäl- und Bürstmaschine, Elevatoren und einem neuen Fahrstuhl. 



1940 übernahm er die Holländermühle in Niendorf auf Poel und verkaufte die Stover Mühle an Müllermeister Hans Mirr. Gegen Ende des Krieges ließ Dieser das Flügelkreuz durch die bekannte Mühlenbaufirma Karl Kühl aus Vordamm noch einmal erneuern. Die Mühleneinrichtung wurde danach noch durch einen Walzenstuhl der nach Kriegsende in Leipzig ansässigen Firma Kühl erweitert. 1947 bis 49 ließ Mirr auch die Bäckereieinrichtungen erneuern.

Im Gegensatz zu vielen Berufskollegen hatte Hans Mirr trotz aller Schwierigkeiten und der hohen Instandhaltungskosten nie auf den Windantrieb verzichtet.

Die Holländerwindmühle in Stove dürfte somit eine der letzten Windmühlen in Mecklenburg sein, die durchgehend bis zu ihrer endgültigen Stilllegung mit Windantrieb arbeiten konnte.

Die neue Bäckerei
1947-1949

Das Denkmal und der Müller...

1976 stellte der damals 67-jährige Müllermeister aus Altersgründen den Mahlbetrieb ein.

Im Jahre 1978 wurde die Mühle durch den Kreis Wismar- Land käuflich erworben und unter Denkmalsschutz gestellt. 

Das Agrarmuseum Dorf Mecklenburg zeichnete für die Nutzung als Museum verantwortlich. Müllermeister Hans Mirr betreute die Mühle danach noch fast 10 Jahre bis kurz vor seinem Tode als ´Museumsdirektor´. 

Mit seinen humorvollen Sprüchen und seiner Sachkenntnis überzeugte er die vielen Mühlenbesucher.

Die liebe Technik...

  • Höhe des Mühlenturmes einschließlich Haube: 15.0 m
  • Durchmesser der Windrose: 3.5 m
  • Durchmesser des Flügelkreuzes: 22.0 m
  • Breite der Flügel: 2.3 m
  • Leistung bei mittlerer Windstärke: ca. 25 PS = 18.0 KW
  • Durchmesser des Kammrades: 2.7 m
  • Gewicht des oberen Mühlensteins: ca. 1.4 t